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Ein Jahr FamilieMinusPlastik

Vor fast genau einem Jahr saßen wir zusammen und haben überlegt, was wir im neuen Jahr anders, besser machen könnten. Seitdem haben wir viel Plastik aus unserem Leben verabschiedet, viel gelernt und viele tolle Begegnungen gehabt. Mit Menschen, die sich für unser Projekt interessieren und die wir zum Teil ein wenig inspirieren konnten. Der Spiegel und hat über unser Projekt im Rahmen einer Nachhaltigkeitsserie berichtet, und wir haben für RTL einen Podcast produziert. Wir als Familie haben viel gelernt und unsere Kinder haben ein deutlich anderes Verhältnis zu Plastik entwickelt.


Wir haben mit einfachen Mitteln und ohne große Einschränkungen unseren Müll drastisch reduzieren können. Hatten wir früher alle zwei Wochen 3-4 gelbe Müllsäcke zur Abholung vor die Tür gestellt war es in diesem Jahr nur noch ein zu einem Viertel gefüllter, der bei Wind immer drohte wegzuwehen. Bei zwei Abholungen pro Monat macht das mindestens 60 gelbe Müllsäcke weniger als im Vorjahr. Und auch beim Restmüll sind wir weiter: 2018 war die Tonne jeden Freitag bis oben hin voll. 2019 lag nur noch ein kleiner Beutel drinnen. Wir hätten also auf drei Leerungen im Monat verzichten können, was uns von der Stadt leider nicht erlaubt wird. Aber wir haben somit mindestens 30 Mülltonnen eingespart. Es klappt also gut, auch wenn es immer mal wieder Tiefen gibt. Am Schwierigsten war es im Laufe unseres Umzugs im Dezember, und auch in Bezug auf Kinderspielzeug gibt es noch zu viel Plastik.

Wir haben viel ausprobiert und selbst gemacht. Einiges funktioniert super wie das Spülmaschinenmittel, anderes eher mittelprächtig wie das selbstgemachte Shampoo (wir sind mittlerweile auf Haarseife umgestiegen). Plastik zu vermeiden wo und wann immer es geht hat sich fest in unsere Köpfe eingebrannt, und nicht nur in unsere, auch in die unserer Kinder. Selbst die Kleinste ist aktiv dabei. Maya hat zu Weihnachten von Verwandten eine kleine Malbox geschenkt bekommen. Ihr Kommentar: „Das sind schöne Farben. Aber leider alles in Plastik. Plastik mag ich nicht…“ (auf ihre Puppen will sie dennoch nicht verzichten. Für sie sind die nicht aus Plastik).


Wir machen auf jeden Fall weiter, auch in 2020!


Aber uns wird das Plastikfrei-Konzept auch zu klein. Wir werden auch weiter nach Möglichkeiten suchen weniger Plastik zu verbrauchen. Doch in letzter Zeit haben wir immer mehr das Gefühl, dass das nicht reicht. Dass wir mehr machen sollten - und könnten. Für unsere Welt, für unsere Kinder, für uns selbst.


Von Anfang an haben wir das Plastikfrei Konzept nicht über alles gestellt. Leider bewegt sich oft viel in einem Spannungsfeld, und Plastik vermeiden auf der einen Seite kann manchmal auf der anderen Seite nicht so nachhaltig sein. Wir sind nicht zum Einkaufen extra nach Köln in einen Unverpackt Laden gefahren und haben nur für den Einkauf einiges an CO2 in die Luft gejagt, sondern haben versucht uns mit allem möglichst plastikfrei hier in der Nähe einzudecken und nur wenn einer von uns sowieso in Köln war, haben wir diese Gelegenheit genutzt im Unverpackt Laden einzukaufen.



Im November war ich beruflich auf einem Kongress in Barcelona über sustainability in Packaging. Dort waren viele große Marken vertreten: Danone, Nestle, P&G etc. Und man sieht, dass sich all diese Firmen sehr viele Gedanken machen. Sustainability – vor einem Jahrzehnt, wenn überhaupt ganz unten auf der Tagesordnung, ist jetzt an vordere Stelle gerückt. Viele Firmen haben gar die neue Funktion des „Sustainability Managers“ geschaffen. Und in den Vorträgen wurde klar, dass sie, getrieben von Konsumenten wie uns und sehr vielen anderen, sich intensiv mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Dies reicht von der Aussage auf 100% recyceltes PET umzusteigen bis hin zum Re-Design verschiedener Flaschen um Tausende Tonnen an Plastik einzusparen. Und es zeigt, dass Konsumenten durchaus die Macht haben mit jeder Kaufentscheidung, mit jeder öffentlichen Meinungsäußerung mitzugestalten. Natürlich ist auch green washing im Spiel, aber wir haben wirklich das Gefühl, dass sich gerade viel tut.


Deshalb geht es für uns auch weiter, auf ein noch stärker von Plastik befreites Jahr 2020, in dem sich hoffentlich noch sehr viel tut.


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