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  • Familie Minus Plastik

Einkaufen in Corona-Zeiten

Uns fällt es momentan besonders schwer, unseren Ansprüchen gerecht zu werden. Aber da wir uns schon von Anfang an für einen pragmatischen Ansatz entschieden haben, nehmen wir in Corona-Zeiten jetzt doch wieder mehr an Plastikverpackungen in Kauf – im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist aber nicht nur Corona, das unseren gelben Müllsack ungewohnt aufblähen lässt. Auch der Versuch klimabewusster und damit vegetarisch / vegan zu essen hat dazu geführt, dass wir Verpackungen mit nach Hause nehmen, die wir vorher nicht im Einkaufsbeutel hatten.


Denn viele Ausweichprodukte wie vegetarische oder vegane Wurst sind Nischenprodukte, und die findet man nicht an der Frischetheke sondern im Kühlregal, schön in Plastik verpackt. Was vor allem unserem Großen ein Dorn im Auge ist. Seit ein paar Wochen ist er überzeugter Vegetarier, will Fleisch oder Fisch nicht mehr auf seinem Teller und Wurst nicht mehr auf seinem Brot haben. Weil dafür Tiere getötet werden müssen, und weil das nicht mit Klimaschutz vereinbar ist. Das führt zu immer gleichen Diskussionen am Tisch und Belehrungen durch den Großen: "Willst du, dass kleine, süße Schweine sterben? Ja du willst sie sterben lassen..." Der kleine Bruder hadert – einerseits will er auch verhindern, dass Tiere für sein Essen sterben müssen, andererseits ist die Wurst von der Frischetheke einfach lecker. Für die kleine Tochter zählt ganz klar nur letzteres, auch wenn sie irritiert fragt, ob sie kleine Ferkel isst. Schon vor Corona steckten wir also in einer Zwickmühle.

Geeint hat die Kinder eine vegetarische Wurst – größtenteils aus Ei hergestellt. Sieht genauso aus wie Mortadella oder Wiener Würstchen, riecht und schmeckt auch so. Und die ist eingepackt in zwar teilweise recyceltem, am Ende aber doch eben: Plastik. Das hat den Großen so gewurmt, dass er der Firma kurzerhand einen Brief geschrieben hat. Mit lobenden Worten für ihr Produkt und der Bitte, sie sollten doch überlegen, ob sie nicht Pfand auf ihre Verpackungen nehmen könnten. Wie bei der Milch in den Glasflaschen.


Bei der Seife haben wir trotz Corona nix verändern müssen. Sie bleibt bei uns am Stück, weil sich auch die Kleinen sehr gut damit die Hände waschen. Milch und Joghurt kommen weiter im Glas mit nach Hause, die Haferflocken bleiben im Papierbeutel, wie auch das Mehl – wenn man denn welches bekommt. Tatsächlich trifft uns das – wir backen Brot und Brötchen gerne selber, die Kinder lieben Pfann- und Reibekuchen – viel stärker als das aufgerollte Papier für den stillen Ort, das zum Symbol der Krise wurde. Kein Mehl nirgends, seit Wochen - naja, fast. Ähnlich sah es bei Hefe aus. Deutschland mutierte in der Krise offenbar zum Land der Bäcker. Fast schon Spinnenweben in den Regalen wo sich einst die Päckchen mit Trockenhefe stapelten. Und die Frage nach frischen Hefewürfeln im Kühlbereich entlockte einer Mitarbeiterin auch schon mal ein mitleidiges Lächeln. Kurz vor Ostern dann aber eine echte Entdeckung an der Käse-Theke unseres Lieblings-Supermarkts: Frische Hefe, direkt zum Mitnehmen – ein Silberstreif am Horizont und Hoffnung für die hauseigene Backstube.


Käse und – ja, manchmal auch Wurst wandern an der Frischetheke übrigens weiter in die mitgebrachte Dose, was trotz Corona für die Mitarbeiter des Supermarkts auch weiter kein Problem ist. Linsen und Reis aber müssen wir im Moment in Plastik verpackt kaufen – für die Vorratskammer. In Unverpackt-Läden kommen wir in diesen Zeiten einfach nicht. Einkaufen muss schnell organisiert werden, weil die/der andere zuhause mit den Kindern wartet, und eigentlich arbeiten müsste. Schwierige Zeiten, aber auch die werden ja irgendwann vorüber sein. Und dann sollte Deutschland mit neuem Schwung und noch größerem Engagement auch dem Klimawandel entgegen treten. Jetzt wird so gut und schnell reagiert, wieso sollte man die Klimakrise nicht mit dem gleichen Elan angehen können? Den Wiederaufbau direkt klimafreundlich gestalten?

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