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Familie, Ferien, Frankreich oder: Achillesferse Reisen


Wir lieben Frankreich! Wir haben beide in unserem Nachbarland studiert/promoviert, gearbeitet und längere Zeit dort gelebt. Nicole in Paris, Maik in Straßburg. Und unsere ersten gemeinsamen Urlaube haben wir dort auch verbracht, mit einem kleinen Ford Fiesta entlang der Nordküste, von der Normandie in die Bretagne. Wir sprechen beide Französisch und es ist einfach ein wunderbares Gefühl, sich mit den Menschen morgens beim Croissant holen oder abends beim Aperitif zu unterhalten. Selbst mit Corona-Maske. Vergangenes Jahr hat es uns ins wunderbare Languedoc gezogen. Diesmal war die Atlantikküste angesagt. Bonjour Bordeaux! Aber eins wollten wir anders machen: Nicht fliegen, sondern mit dem Auto fahren. Fürs Klima. Und zack sitzt man da und denkt: noch besser wäre es natürlich Urlaub in der Nähe zu machen. Der CO2-Ausstoß pro Person in unserer Familie wäre natürlich deutlich geringer, wenn wir einfach nach Holland oder Deutschland an die Küste fahren würden. Oder am Ende ganz zu Hause bleiben. Achillesferse Fernreisen. Das fällt uns wirklich schwer. Wir sind beide wahnsinnig neugierig, interessieren uns für die Welt und andere Kulturen, andere Lebensweisen. Perspektivwechsel – das ist uns ganz wichtig und das wollen wir unseren Kindern unbedingt mitgeben. Aber so geraten wir tatsächlich in einen Konflikt: Klimaschützen und trotzdem Urlaub in der Ferne machen. Schwierig.



Da ist es am Ende nur ein kleiner Trost, wenn man sich den CO2-Ausstoß pro Kopf ausrechnet und merkt: Wären wir nach Bordeaux geflogen läge der fünfmal höher als mit einem vollgepackten Auto, das gemütlich mit 130 Stundenkilometern durch Frankreich tuckert. Denn bei einer Strecke von insgesamt 2280 km kommt man da auf einen pro Kopf-Ausstoß von 98,3kg pro 100 Kilometern. Wären wir geflogen hätte der pro-Kopf-Ausstoß dagegen bei 481,8 kg gelegen – wohl gemerkt pro 100 Kilometer. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Die Variante Holland aber hätte am Ende nur ca. 13 kg CO2 pro Kopf und 100 Kilometer gekostet.



Und gleichzeitig war dieser Urlaub so wunderschön, der Weg war bereits das Ziel und wir haben in Reims, Tours, Saumur, Bordeaux, St Emilion, Lacanau und Le Porge so viel erlebt. Was also tun? Vielleicht muss man sich als Familie einen jährlichen CO2-Haushalt aufstellen, mit einer Gesamtsumme, die nicht überschritten werden sollte und in den dann nicht nur solche Großposten wie Urlaube einfließen, sondern auch die alltäglichen Verbrauchswerte. Denn da leben wir ja mittlerweile deutlich klimafreundlicher. Indem wir zu Hause fast gar kein Fleisch und keine Butter mehr essen (die Jungs sind größtenteils Vegetarier geworden, nur Maya verlangt ab und zu nach einem Würstchen oder einer Scheibe Fleischwurst), indem wir Strom sparen, wo wir können, das Fahrrad nehmen, wo es geht und als 5-köpfige Familie kaum was wegwerfen, Plastikmüll drastisch reduzieren, Leitungswasser trinken, Putzmittel selbst machen, Insektenhotels und allerlei Pflanzenwuchs im Garten haben, eine Biokiste abonniert haben – eben all das worüber wir hier bereits berichtet haben. Unsere Vermutung ist, dass das Alltägliche am Ende des Jahres sehr viel mehr in die Waage bringt als ein Urlaub einmal im Jahr. Ist aber nur eine Vermutung / Hoffnung, wir müssten das mal versuchen in Ruhe auszurechnen.



Einen Entschluss haben wir jedenfalls für dieses Jahr schon mal gefasst: Auch wenn Yannis und Maik in diesem Frankreich-Urlaub Ihre Liebe fürs Wellenreiten entdeckt haben: Wir werden im Herbst nicht nach Fuerteventura fliegen, um dort auf dem Brett durch die Gischt zu gleiten, sondern mal sehen, ob wir nicht auch in Holland die nächsten Schritte mit dem Surfboard machen können. Sobald Maya etwas größer ist, werden wir einen Urlaub per Rad planen, und schöne Ecken in Deutschland erkunden. Und trotzdem wird es uns irgendwann wieder Richtung Frankreich, Spanien oder Italien ziehen - allein der Kultur und Sprache wegen. Wir lieben es einfach zu sehr. Wir werden es aber reduzieren soweit es geht, und werden dafür an anderer Stelle noch mehr tun, und darüber weiterhin berichten.

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