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  • Familie Minus Plastik

Radeln für's Klima


Hier ein etwas älteres Foto aus Harlem...

Wir kommen gerade aus einer Woche Niederlande Urlaub zurück. Statt Frankreich oder Italien haben wir uns dieses Jahr aus Klimaschutzgründen das nur drei Stunden entfernte Zeeland ausgesucht. Wir waren in der Nähe von Cadzand, am südlichsten Teil der Niederlande, kurz vor Belgien. Schöne Landschaft, nur wenige Menschen.


Was uns in den Niederlanden immer wieder auffällt sind die vielen Radfahrer, die großzügig angelegten Radwege und die Priorisierung der Radfahrer in Orten und Städten. Da können wir noch einiges von unseren Nachbar lernen. Seit 30 Jahren wird dort der Radverkehr gefördert, mit dem Ergebnis, dass in Großstädten wie Amsterdam oder Utrecht der Anteil des Radverkehrs bei bis zu 60 Prozent liegt. Die Ausgaben für Radinfrastruktur in Deutschland sind dagegen erschreckend niedrig. Sie liegen bei nur 2,30€ pro Kopf wie in München und maximal bis zu 5€ pro Kopf wie etwa in Stuttgart. Nur zum Vergleich: In Amsterdam sind es 11€, in Kopenhagen 36€ und Utrecht sogar 132€.


Wir beide sind überzeugte Fahrradfahrer. Als wir noch in Berlin wohnten, war das deutlich einfacher. Ich bin dort jeden Tag 10 km von der Rummelsburger Bucht nach Berlin-Mitte auf die Arbeit gefahren. Und ich habe es geliebt, auch wenn es natürlich auch Tage gab, an denen ich genervt war, wenn ich mal wieder pitschnass im Büro ankam. Auch die Kinder, als sie noch klein waren und hinten auf dem Fahrradsitz saßen, wurden das ein oder andere Mal nass. Aber alles halb so wild. Trocknet ja wieder. Der Lust aufs Radfahren hat das keinen Abbruch getan. Gleichzeitig konnte ich mit dem Rad prima auf dem Hinweg die Familie hinter mir lassen und mich mental auf den Arbeitstag einstellen. Und umgekehrt auf dem Rückweg noch kurz den Arbeitstag Revue passieren lassen, über das ein oder andere Problem nachdenken und dann, je näher ich unserem Zuhause kam, die Arbeit verblassen lassen und mich auf die Familie einstellen. Das war so viel schöner als im Auto im nervigen Stopp and Go zu stehen!


Hier in Dormagen, einer Kleinstadt zwischen Köln und Düsseldorf, ist es jedoch schwieriger konsequent Rad zu fahren. Innerhalb von Dormagen ist es kein Problem und wir bewegen uns viel mit dem Rad fort, in die Innenstadt, in die Bibliothek, machen Ausflügen am Rhein entlang, auch mal mit der Fähre rüber und entdecken mit den Kindern gemeinsam die schöne Natur um uns herum. Aber sobald wir den Dormagener Radius verlassen wird es eher schwierig. Nach Köln oder Düsseldorf ist es mit dem Rad zu weit. Das ist auch für Maik das Problem. Er kann nicht jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Köln fahren, oder er würde dafür sehr viel länger brauchen und könnte dann die Kinder fast gar nicht mehr sehen. Mit dem Auto kann er nach seiner Sendung immerhin noch zum Gute Nacht sagen und ins Bett bringen gegen 20 Uhr zuhause sein.

Für Strecken bis sechs Kilometer nutzen wir aber meistens die Räder, auch alle Kinder fahren viel mit dem Rad. Yannis sogar zu seiner Schule und das sind immerhin knapp 14 Kilometer hin und zurück. Wenn immer mehr Menschen aufs Rad umsteigen würden, wenn ein Drittel der Strecken bis sechs Kilometer in Innenstädten mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt werden würden, ließen sich nach Schätzungen des Umweltbundesamtes pro Jahr 7,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.


Experten schätzen, dass sich in Ballungsgebieten bis zu 30 Prozent der Pkw-Fahrten auf den Radverkehr verlagern ließen. In Deutschland werden pro Jahr und Einwohner 380 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt, in Holland aber sogar 1.100 Kilometer. Da ist also noch Luft nach oben, also ……rauf aufs Rad!