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  • Familie Minus Plastik

Sonne satt


Jeder freut sich, wenn die Sonne scheint. Unsere Familie seit ein paar Monaten sogar noch mehr. Denn dann wird unser Dach zum Mini-Kraftwerk. Und wir können sehen, wie der Strom fließt. In unseren Speicher. Und wenn der voll ist in unser Auto. Oder wir nutzen den frisch geernteten Strom und waschen unsere Wäsche, lassen das Geschirr spülen oder den Ofen ein Brot backen. Alles mit der Kraft der Sonne. Und wenn wir nichts mehr von der gewonnenen Energie benötigen, fließt es ins Stromnetz ein und erhöht den Anteil erneuerbarer Energie im deutschen Strommix. Den Blick auf die App, die uns den Leistungsfluss sichtbar macht, genießen mittlerweile auch schon die Jungs. Und nicht nur an reinen Sonnentagen… Es sind im wahrsten Sinne des Wortes elektrisierende Momente. Selbst im trüben Januar hatten wir eine Eigenversorgung von 19%, und jetzt im Februar stehen wir gerade bei satten 40%. Frühling und Sommer können kommen.


Seitdem wir selbst auf dem Dach die blauen Module haben sind die Kinder, und eigentlich auch wir, noch aufmerksamer beim Blick auf andere Häuser. Und da fällt auf: Warum sind so viele Dächer noch ohne Photovoltaik-Module? Klar, ist natürlich eine Frage des Geldes und die Förderung leider viel zu gering. Und auch ein kleiner bürokratischer Aufwand, den die eine oder der andere vielleicht scheut. Können wir gut verstehen. Wir haben auch erst überlegt, ob wir das machen wollen. Wenn Deutschland es ernst meint mit den Klimazielen, und das wollen wir alle ja hoffen, dann fragt man sich aber schon: Warum bleibt so viel Fläche ungenutzt, warum wird es nicht viel stärker gefördert und warum werden die bürokratischen Hürden nicht verringert? Man stelle sich vor ein Haus-Eigentümer vermietet sein Dach an jemanden, der die Anlage finanziert, einbauen und warten lässt und sich um den ganzen Schreibtischkram kümmert? Vielleicht ja auch mit dem Deal: Mein Dach gegen deinen Strom – da wäre echt Potential. Allerdings sind die Einsparvergütungen nicht gerade hoch. Oder um es mit unserem Mittleren zu sagen: „Das ist doch unfair, dass wir nur 8 cent (für eine Kilowattstunde) bekommen aber mehr als das Dreifache zahlen müssen, wenn der Strom aus der Leitung kommt.“


Dabei schenkt uns die Sonne in Deutschland im Jahr gut 80 mal so viel Energie, wie wir verbrauchen – das können wir doch nicht einfach so ablehnen… Die Technische Universität München schätzt, dass man auf deutschen Dächern im Jahr rund 160 Gigawatt Solarstrom produzieren könnte. Nur zum Vergleich: Das wäre fast das Zehnfache der jährlichen Gesamtleistung der sieben größten deutschen Kohlekraftwerke. Warum nutzen wir das nicht?



Klar, die Module müssen auch hergestellt werden, und auch das kostet Energie. Aber: Schon nach zwei Jahren macht eine Photovoltaikanlage mehr Energie nutzbar als für Herstellung, Betrieb und Entsorgung verwendet werden muss.


Und wenn man dann erst an die vielen Dächer in Industriegebieten denkt… Immerhin haben wir laut Fraunhofer Institut 2020 das gesetzlich festgelegte Ziel für den jährlichen Photovoltaik-Zubau von 2,5 GW übertroffen. Die Ziele der Energiewende erreichen wir so aber nicht, warnen die Experten.