Suche
  • Familie Minus Plastik

Von der Hand in den Mund oder: Mundraub und Apfelernte


Wir haben uns in der letzten Zeit viel mit nachhaltiger Ernährung und Lebensmittelverschwendung beschäftigt und auch versucht, unseren Kindern das Thema nahe zu bringen. Manchmal ist das schwieriger, wenn es beispielsweise um die Brotboxen aus Schule und Kita geht und darüber diskutiert werden muss, warum man die zurückgebrachten Apfelstückchen oder die Laugenbrezel noch essen kann. Aber meist sind sie doch sehr einsichtig, und gerade etwas trockeneres Brot das mit gequirlter Ei-Milchmasse zum leckeren Eierbrot wird, mögen sie bspw. sehr.


Maik hat gerade für RTL eine Woche lang über Lebensmittelverschwendung berichtet und das hat uns zusätzlich beschäftigt (https://www.tvnow.de/filme/wegwerfland-maik-meuser-und-die-lebensmittelverschwendung-19082). Denn auch da geht es ja im Grunde um Achtsamkeit, wie bei unserem Plastik-Projekt. Sich selbst dabei beobachten, was man vielleicht zu schnell und zu leichtfertig in den Mülleimer wirft. Und wo und wie man das schon im Ansatz bekämpfen kann. 83 Kilogramm pro Kopf und Jahr schmeißen wir Deutsche im Schnitt an Lebensmitteln in den Müll. Viel zu viel, finden wir und arbeiten daran, den Schnitt zu senken. Auch, indem wir unsere Kinder für Lebensmittel sensibilisieren. Aber auch indem wir unser Verhalten beim Einkaufen ändern, einiges schon seit längerem. So nehmen wir bspw. bei Produkten, von denen wir wissen, dass wir sie in Kürze konsumieren, bewusst die Produkte mit dem nicht mehr ganz so langem Mindesthaltbarkeitdatum (MHD). A propos MHD: dies ist kein Verfallsdatum, sondern gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem spezifischen Eigenschaften wie Konsistenz, Geruch oder Geschmack, vom Hersteller garantiert werden. Die meisten Lebensmittel mit überschrittenem MHD sind oft noch gut genießbar und gehören nicht automatisch in die Tonne, allein der Geruchs- und Geschmackstest sollte bestimmen, ob sie noch gegessen werden können.

Viele Tipps wie man die Lebensmittelverschwendung begrenzen kann, finden sich in unserem Blogbeitrag „Familie minus Lebensmittelverschwendung“. Eine weitere Sache, die wir seit kurzem machen und sehr praktisch finden: Kartoffelschalen, die bei uns sehr zahlreich anfallen, müssen nicht in die Tonne, sondern können, natürlich sorgfältig gewaschen, auf einem eingeölten Backblech bei ca. 180° gebacken werden bis sie schön kross und knusprig sind. Einmal gesalzen und schon hat man leckere selbst gemachte Kartoffelchips. Wenn wir Pommes selber machen, nehmen wir direkt ein zweites Blech, auf das wir dann die Schalen legen und so gibt es Pommes und Chips ohne Plastik und ohne Müll. Schmeckt sogar noch besser als die im Supermarkt gekauften und in Plastik verpackten Varianten, finden wir. Die Kinder sind jedenfalls sehr begeistert.

Und dann gibt es da natürlich noch die Verschwendung direkt an der Quelle. Gerade momentan im Spätsommer, denn es gibt zahlreiche Bäume und Sträucher, um die sich niemand kümmert und wo derzeit die Äpfel herunterfallen und verfaulen – während wir gleichzeitig Äpfel aus Chile oder Neuseeland oder sonst wo importieren. Das ist schon ein Paradox.


Letztens haben wir deshalb auf einer dieser frei zugänglichen Obstwiese Äpfel aufgelesen, zahlreiche lagen auf dem Boden, einige waren bereits verfault. Darüber wollten wir längst was schreiben, sind aber wegen unserer vielen beruflichen Projekte noch nicht dazu gekommen. Und dann hat uns Ingrid Pötzsch geschrieben, eine Leserin dieses Blogs: „Auf unserer Radtour durch Brandenburg habe ich unzählige Bäume gesehen, an und unter denen reifes Obst liegt. In den Supermärkten werden Birnen aus Neuseeland und Pfeil aus Chile angeboten. Bitte könnten Sie die Bauern oder Gemeinden dazu aufrufen, Diese Bäume mit einem Stoffband zu kennzeichnen, damit das Obst verwertet werden kann. Es gibt tolle Rezepte und ein Ausflug in die Natur ist gerade im Herbst wunderschön.“ Das ist eine ganz schöne Idee, finden wir. Und tatsächlich gibt es so etwas ähnliches schon, das haben wir Frau Pötzsch auch geschrieben. Es ist eine Seite im Internet: www.mundraub.org


Unsere wilde Streuobstwiese ist da auch hinterlegt. Deutschlandweit kann jeder bei Mundraub Obstbäume, Nuss- oder Beerensträucher vermerken, die niemandem gehören und wo man sich also frei bedienen kann, und auch sollte damit nicht alles verdirbt. Man sollte nur sicher sein, dass die Bäume oder Sträucher niemandem gehören. Mittlerweile gibt es sogar eine App, allerdings nur für Android-Handys, aber immerhin. Vielleicht kommt die Marke mit dem Apfel im Logo ja auch noch drauf…

Und apropos Apfel: Bei uns im Garten steht auch ein kleiner Apfelbaum, etwa dreißig Jahre alt. Der hat in diesem Jahr allerdings viele Äpfel schon früh hinunterfallen gelassen, weil sie wurmstichig waren. Diese Äpfel wollten wir aber nicht alleine den Wespen überlassen und haben sie immer wieder eingesammelt. Dann haben wir die braunen und wurmstichigen Stellen herausgeschnitten und aus dem Rest wunderbar leckeres Apfelmus gekocht. Ohne jeglichen Zuckerzusatz oder Konservierungsstoffe. Besser geht’s nicht.

Folgen

  • Facebook
  • Twitter